Samstag, 6. August 2005

Ein strahlender «Messias»

Die 250-jährige Erfolgsgeschichte von Händels Oratorium «Messias»

setzt sich fort: Mit einem strahlenden Konzert in Saanen.

Die Aufführung des gut zweieinhalbstündigen Werks «Messias» von Georg Friedrich Händel

war seit Tagen ausverkauft. Das liess die Erwartungen in die Höhe schnellen; denn

das Oratorium ist bei Chören beliebter denn je, und das berühmte «Halleluja» gilt als der

Klassiker. Das Ensemble um den Dirigenten Winfried Toll bewies, dass auch ein «Hitparaden

»-Werk die Zuhörerinnen und Zuhörer von den Sitzen reissen kann. Mit langanhaltenden,

stehenden Ovationen dankten sie den angereisten Künstlerinnen und Künstlern

für deren Aufführung.

Wunderschöne Stimmen

In wunderschöner Harmonie ergänzten sich die Camerata Vocale aus Freiburg im Breisgau

(D) und die Camerata Freiburg – ein Chor mit seltener Transparenz und Strahlkraft

in stetem Dialog mit dem Feingefühl des Orchesters.

Schnörkellos und eindrücklich gestaltete Martín Oro die Alt-Partien, während der Tenor Andreas Karasiak gerade im zweiten Teil das Wehklagen der Propheten in voller Intensität auf das Saaner Publikum übertrug.Stimmgewaltig fesselte der Bariton Konrad Jarnot während der Soli; und Bewunderung rief Emma Kirkbys lupenreine Sopranstimme hervor – insbesondere im Duett mit Oro im dritten Teil des «Messias». Doch nicht nur musikalisch und in der stimmungsvollen Interpretation

zogen die Beteiligten ihr Publikum in Bann; auch die klare Diktion ermöglichte

ein Eintauchen in Händels ausgewogenes Werk. Mit sehr viel Feingefühl und behutsamen

Reaktionen auf die Solisten, den Chor und das Orchester leitete Winfried Toll den Abend.

Er liess den Ausführenden ihre Zeit – und brachte damit bei seinem Publikum in der Kirche

Saanen nahe, was Händel einst gesagt haben soll: «Ich dachte, ich sähe den Himmel

vor mir und den grossen Gott selber!»

Heinerika Eggermann