Basler Zeitung; 21.01.2008

KulturMagazin

Tiefe und Reinheit

Händels «Messiah» mit der Knabenkantorei

Olivia Mortimer

«The Messiah» – Die Basler Knabenkantorei und das Berner Orchester «Die Freitagsakademie» versuchten sich am Freitagabend am Meisterwerk des Komponisten Georg Friedrich Händel.

So, wie man es von einem Konzert der Knabenkantorei erwartet, war die Martinskirche mit Verwandten und Bekannten der jungen Sänger gut gefüllt: Die Knaben beim Einmarsch unter freudigem Applaus, das hier nicht heimische Orchester mit skeptischer Distanz begrüsst. Zu Unrecht, denn das Berner Orchester, das sich auf die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisiert hat und auf historischen Instrumenten spielte, überzeugte bis zum Schluss mit Stilsicherheit, Genauigkeit und Sensibilität gegenüber den verschiedenen Klangzusammensetzungen.

Stimmig auch die Auswahl der Solisten, mit Ausnahme von Basssolist Raphael Jud, der mit seiner dramatischen Stimmgebung nicht so recht hineinpasste. Zu begeistern vermochten vor allem der aussdrucksstarke Altus von Martín Oro und der klar geführte Tenor Hans Jörg Mammels.

Bravourös. Die eigentliche Attraktion des Abends war allerdings die Knabenkantorei und deren Leiter Markus Teutschbein: Der sympathische Dirigent tanzte regelrecht auf der Bühne, formte, knetete sichtbar jeden Klang des Werkes und blieb dennoch Herr des Geschehens. Durch seine Expressivität, die bei dieser Musik auch befremdlich wirken kann, lockte er aus seinen Chorsängern eine ungeahnte Palette an Ausdrucksfähigkeit: Die jungen Sänger zeigten eine Präzision, Dynamik und engelsgleiche Reinheit, die es locker mit einem der verwandten englischen Chöre aufnehmen konnten.

Doch dabei blieb es nicht: Es war die Fähigkeit zu einem kernigen, tiefgehenden Klang, der erstaunte und auf seltsam berührende Weise die Leiden Jesus aus den Mündern von teilweise primarschulpflichtigen Knaben authentisch erschienen liess. Dass die Chorsänger auch noch nach fast zweieinhalb Stunden einen zutiefst ergreifenden Schlusschoral zustande brachten, führte zu berechtigten Standing Ovations im Schlussapplaus.

Bleibt zu hoffen, dass auch nicht verwandte und bekannte Zuhörer die Qualitäten der Kantorei erkennen und zukünftig ihre Konzerte bevölkern.